Folgen Sie uns auf:
TECHNISCHER HINWEIS
09


Praxisbeispiele für die Digitalisierung von Diapositiven

 

Nachfolgend werden Scans von über 20 Jahre alten Dias gezeigt. Alle Dias wurden mit dem von Rasch-Diascan entwickelten Kamera-Scanner mit IR-Clean-Technologie digitalisiert – jeweils einmal mit und einmal ohne die infrarot-basierte Staub- und Kratzerentfernung weiterverarbeitet. Die kleinsten Bilddetails bzw. Störstellen lassen sich nur bei voller Auflösung erkennen. Dazu können unter jedem Bild auch Scan-Beispiele in voller Auflösung heruntergeladen werden. Am Ende des Artikels wird zudem eine RGBI-Archivierungsdatei zum Download angeboten.

Bitte beachten Sie, dass Sie nur dann von einer realistischen Wiedergabe der Farben ausgehen können, wenn Sie über einen farbkalibrierten Bildschirm verfügen. Ähnliches gilt für die Bildschärfe, die nur dann beurteilt werden kann, wenn die physikalische Pixelauflösung des Bildschirms eingestellt ist (engl.: native resolution). Falls nicht anders angegeben entsprechen die nachfolgend gezeigten Beispiele unserer Neutralautomatik, welche mit Ausnahme von Dias mit Alterungsfarbstichen immer zu bevorzugen ist.

Bei den kleinen schwarzen Punkten, die sich hier insbesondere im Randbereich häufen, handelt es sich vorwiegend um erste Spuren von Schimmel, die von IR-Clean ebenfalls noch entfernt werden können. Bei ungünstiger Lagerung und fortschreitendem Befall wachsen daraus Schimmelfäden:

Koh Samui, Mae Nam Beach
Bild 1: Scan-Ergebnis mit IR-Clean, Foto: H. Rasch


Koh Samui, Mae Nam Beach
Bild 2: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, Foto: H. Rasch


Das folgende Bild wurde ohne Stativ mit einer Nikon F90 und dem mitgelieferten Standardobjektiv auf einem Fujichrome Sensia 100 aufgenommen. Das Beispiel ist gut geeignet, um die effektive Auflösung von Diafilmen zu veranschaulichen:

Phuket - Karon Beach
Bild 3: Scan-Ergebnis mit IR-Clean, Foto: H. Rasch


Phuket - Karon Beach
Bild 4: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, Foto: H. Rasch


Mit den Standard-Parametern von IR-Clean lassen sich am besten kontrastreiche Punkte wie Staub- oder Schimmelpartikel retuschieren. Schwieriger zu erfassen sind hingegen weniger kontrastreiche Fasern. Doch auch in diesem Fall sind optimierte Ergebnisse auf der Grundlage des Infrarotbildes möglich:

Shopping Center, Singapur
Bild 5: Scan-Ergebnis mit IR-Clean, Foto: H. Rasch


Shopping Center, Singapur
Bild 6: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, Foto: H. Rasch


Beim nächsten Dia wurde mehr oder weniger der gesamte Diafilm bei der Entwicklung oder möglicherweise schon in der Kamera beschädigt. Ein scharfkantiger Partikel hat eine exakt geradlinige und damit unübersehbare Spur am unteren Rand hinterlassen. Genaugenommen ist ein Dia mit einem derartigen Kratzer irreparabel beschädigt. Doch selbst im Sand und bei den Farbkanten am Bootsrumpf liefert IR-Clean mit den Standardwerten automatisiert eingesetzt schon ein beeindruckendes Ergebnis. Für eine echte Bildrestaurierung wären individuelle Einstellungen oder eine manuelle Retuschierung erforderlich – auf der Grundlage des Infrarotbildes:

Fischerboot in Kota Bharu
Bild 7: Scan-Ergebnis mit IR-Clean, Foto: H. Rasch


Fischerboot in Kota Bharu
Bild 8: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, Foto: H. Rasch


Das nächste Dia ist gut vorgereinigt und befindet sich in einem guten Allgemeinzustand. Trotzdem sind auch hier bei voller Auflösung erste Schimmelpartikel im Randbereich erkennbar. Insofern ist auch hier die Variante mit IR-Clean eindeutig vorzuziehen:

Fort Margherita, Kuching, Malaysia
Bild 9: Scan-Ergebnis mit IR-Clean, Foto: H. Rasch


Fort Margherita, Kuching, Malaysia
Bild 10: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, Foto: H. Rasch


Seit der Version IR-Clean 2.0 lassen sich auch infrarotlicht-blockierend wirkende Diafilme zuverlässig verarbeiten. Beim folgenden Dia aus dem Jahr 1963 handelt es sich um den Film AGFA CT 18, der entsprechend dem Prozess AP-41 entwickelt wurde und daher infrarotlicht-blockierende Eigenschaften hat. Zusätzlich ist das Dia stark mit Schimmel befallen. Hier sieht man auch, wie die Schimmelfäden kreisförmig aus den dunkleren Punkten herauswachsen. Wegen des geringeren Kontrastes ist es für die Infrarot-Reinigung schwierig, die Schimmelfäden zu erkennen. Aufgrund des Alters kam noch ein starker Farbstich hinzu, daher wurde hier die Variante der Farbautomatik verwendet:

MS Prinsessan Margaretha
Bild 11: Scan-Ergebnis mit IR-Clean, Film: AGFA CT 18 aus dem Jahr 1963 (infrarotlicht-blockierend), Foto: H. Rasch (sen.)


MS Prinsessan Margaretha
Bild 12: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, Film: AGFA CT 18 aus dem Jahr 1963 (infrarotlicht-blockierend), Foto: H. Rasch (sen.)


Kodachrome-Dias gehören ebenfalls zu den infrarotlicht-blockierenden Diafilmen. Diese darf man jedoch nicht mit den Ektachrome-Filmen von Kodak verwechseln (E6-Entwicklungsprozess). Kodachrome-Diafilme konnten nur im Kodak-Labor nach dem K14-Prozess entwickelt werden. Abhängig von der eingesetzten Scan-Hardware zeigt sich bei den Ergebnissen ein mehr oder weniger ausgeprägter blauer Farbstich. Der Farbstich lässt sich nicht einfach über die Farbbalance korrigieren, da es sich um nichtlineare Verzerrungen in allen drei Farbkanälen handelt. Die Korrektur erfolgt daher über ein an den Scanner angepasstes spezielles Kodachrome-Farbprofil:

Oase in Sahara
Bild 13: Scan-Ergebnis mit IR-Clean und Kodachrome-Farbprofil, Foto: Martl Jung (Libysche Wüste)


Ohne das Kodachrome-Farbprofil kommt es beim Kamera-Scanner von Rasch-Diascan zu einem vergleichsweise gering ausgeprägten blau-grünen Farbstich. Das Farbprofil wird erst bei der Verarbeitung der RGBI-Archivierungsdateien eingesetzt:

Oase in Sahara
Bild 14: Scan-Ergebnis ohne IR-Clean, ohne Kodachrome-Farbprofil, Foto: Martl Jung (Libysche Wüste)


Nachfolgend zum Vergleich das Ergebnis des früher eingesetzten Nikon-Scanners mit VueScan. Aufgrund einer anderen Optik und Beleuchtung ergibt sich ein blau-roter Farbstich, der zudem deutlich stärker ausgeprägt ist. Trotzdem kann auch dieser Farbstich korrigiert werden:

Oase in Sahara
Bild 15: Nikon-Scanner mit VueScan ohne Kodachrome-Farbprofil, Foto: Martl Jung (Libysche Wüste)

Der Vergleich zwischen den Varianten mit und ohne IR-Clean zeigt einerseits die Wirkung des Verfahrens und erlaubt andererseits eine Überprüfung der Ergebnisse auf eventuell auftretende Artefakte. Sollte es im ungünstigsten Fall zu diesen störenden Bildmustern kommen, so erhält der Kunde im Rahmen der IR-Clean-Garantie kostenlosen Ersatz in Form von Bilddateien ohne IR-Clean. Die Grundlage für spätere Nachbearbeitungen sind immer die mitgelieferten RGBI-Archivierungsdateien. Diese Dateien sollten sicher aufbewahrt werden, denn zukünftige Versionen des software-technischen Verfahrens IR-Clean könnten auch bei schwierigem Ausgangsmaterial noch bessere Ergebnisse liefern.

Die nachfolgend zum Download angebotene RGBI-Datei hat eine Größe von 242 MB bei einer Auflösung von 6362 x 4243 Pixel inklusive Rand. Bitte beachten Sie, dass die Dateien aufgrund des zusätzlichen Alpha-Kanals z.B. im Windows Explorer mit einem falschen Kontrast dargestellt werden. Außerdem sind Kenntnisse im Umgang mit dem Farbraum AdobeRGB hier unumgänglich.


RGBI-Archivierungsdatei
Bild 16: RGBI-Datei mit Scan-Rand und Alpha-Kanal (Kamera-Scanner)


Eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Verfahren für eine digitale Staub- und Kratzerentfernung finden Sie im Technischen Hinweis 07.




Helmut Rasch, November 2021