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TECHNISCHER HINWEIS
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Autofokus und verglaste Diarahmen

Verglaste Diarahmen

Grundsatz

Eine Digitalisierung von glaslos gerahmten Dias ist qualitativ als Vorteil anzusehen und daher nach Möglichkeit zu bevorzugen. Trotzdem kann es durchaus Sinn machen, bereits verglaste Dias mit einem Serienscanner zu digitalisieren. Nachfolgend werden die technischen Möglichkeiten dafür vorgestellt sowie die Vor- und Nachteile erläutert.

Anti-Newton-Gläser

Grundvoraussetzung für die Digitalisierung von Dias mit Glasrahmen sind Anti-Newton-Gläser. Hochwertige Diarahmen enthalten diese speziellen Gläser und verhindern die störenden Regenbogenfarben im Scan-Ergebnis – sogenannte Newton-Ringe. Es wird im Internet darüber berichtet, es könne angeblich trotz Anti-Newton-Gläsern vereinzelt zu Newton-Ringen kommen. Wir können das zumindest aus unserer Erfahrung mit verglasten Diarahmen von GEPE oder WESS bisher nicht bestätigen.

Eintrübung von Gläsern

Glasrahmen können über die Jahre „anlaufen“, was je nach Ausmaß von einer unauffälligen bis zu einer störenden Eintrübung führen kann. Eine derartige Eintrübung von Gläsern lässt sich durch die Infrarot-Reinigung nicht korrigieren. Außerdem zeigt die Praxis, dass die geätzte und raue Oberfläche von Anti-Newton-Gläsern insbesondere bei Zeilenscannern mit harten Lichtquellen auch zu weiteren Störmustern führen kann, die sich erst bei genauer Überprüfung erkennen lassen. Vorteilhaft wirkt sich hingegen das vergleichsweise weiche Licht des Kamera-Scanners in Bezug auf die raue Oberfläche der Anti-Newton-Gläser aus.

Staub und Schimmel

Staubpartikel, die sich auf dem Dia bzw. auf den inneren Glasoberflächen befinden, werden im Rahmen der technischen Möglichkeiten über die Infrarot-Reinigung erfasst. Verglaste Dias neigen zum Befall mit Schimmel. Dieser breitet sich oft in Form von kleinen schwarzen Punkten vom Rand zur Bildmitte aus. Ein nicht übermäßig starker Befall kann meist noch von der Infrarot-Reinigung erfasst und retuschiert werden.

Kamera-Scanner von Rasch-Diascan

Fokussierung auf Diafilm
Bild 2: Fokussierung am Diafilm

Der Vorteil des beim Kamera-Scanner eingesetzten Repro-Objektivs ist die optimierte Schärfe im Randbereich (siehe unten). Dazu musste man bei Rasch-Diascan einen eigenen Autofokus entwickeln. Vor jedem Scan wird der Abstand zwischen Dia und Objektiv mit einer Genauigkeit von 10 µm gemessen. Der von der Stärke des jeweiligen Diarahmens abhängige Abstand kann auf diese Weise immer wieder nachgestellt werden.


Defokussierung beim Glasdia
Bild 3: Defokussierung bei einseitig verglastem Diarahmen

Bei einem verglasten Rahmen erfolgt die Messung immer auf die Oberfläche des Glases. Folglich weicht die Fokussierung bei einem 0,8 mm dicken Glas um diesen Wert plus eines Luftspalts vom Optimum ab. Die Lösung besteht nun darin, den durch das Glas verursachten Messfehler in die Fokussierung einzurechnen. Bei einer Serie von Dias mit gleicher Glasstärke muss dazu lediglich ein Korrekturwert ermittelt werden. Es ist daher unvermeidlich, dass für Fabrikate mit abweichender Glasstärke jeweils eine eigene Serie mit einem weiteren Korrekturwert angelegt werden muss. Ein Vorteil des von Rasch-Diascan entwickelten Kamera-Scanners ist, dass der Autofokus eine vorhandene Glasoberfläche immer zuverlässig erkennt, weil er ein aktives Messverfahren nutzt.

Fokussierung auf Diafilm
Bild 4: Fokussierung bei einseitig verglastem Diarahmen

Nur bei einer Serie von einseitig verglasten Dias kann man sich den Aufwand für die Ermittlung des Korrekturwertes sparen, indem die Messung einfach auf der unverglasten Seite erfolgt. Dazu müssen lediglich alle Glasrahmen identisch ausgerichtet sein.


Defokussierung beim Glasdia
Bild 5: Defokussierung bei doppelseitig verglastem Diarahmen

Bei einseitig verglasten Rahmen führt nur eine Seite zu einer Defokussierung. Sind in einer Serie von Dias sowohl einseitig als auch doppelseitig verglaste Dias der gleichen Stärke enthalten, so muss sichergestellt sein, dass die Messung mit dem Korrekturwert immer von der verglasten Seite erfolgt. Müssen einzelne Dias dafür spiegelverkehrt eingeordnet werden, so können die Scans später per Bildverarbeitung wieder gedreht werden.


Nikon-Scanner

Im Unterschied zum Kamera-Scanner setzt der Nikon-Scanner ein passives Autofokus-Verfahren ein. Für die Messung benötigt der Autofokus kontrastreiche Objekte bzw. Strukturen innerhalb eines Bildmotivs. Aus diesem Grund kann er eine Glasoberfläche nicht erfassen und fokussiert folglich auf den Diafilm. Im Internet wird vereinzelt darüber berichtet, es könne angeblich bei Verschmutzungen auf der Glasoberfläche zu Störungen kommen, da der Autofokus diese für Kontraste hält und somit als Bildebene fehlinterpretiert. Wir können das zumindest aus unserer Erfahrung bisher nicht bestätigen.

Unabhängig davon bietet Rasch-Diascan eine Digitalisierung mit dem Nikon-Scanner nur für Kodachrome-Filme und andere infrarotlicht-blockierende Dias an. In diesem Fall können auch verglaste und unverglaste Dias (einseitig/doppelseitig) mit beliebiger Ausrichtung gemischt digitalisiert werden, sofern es sich um Anti-Newton-Gläser handelt. Wie bereits erwähnt, sind weitere störende Effekte durch das Anti-Newton-Glas hier nicht ganz auszuschließen, da die Scan-Zeile des Scanners mit vergleichsweise hartem Licht arbeitet.

Hinweis: Es wird dringend davon abgeraten, Gläser aus bereits verglasten Diarahmen zu entfernen. Damit geht die Passgenauigkeit des Rahmens verloren, was zu einer verstärkten Wölbung des Diafilms führen kann.

Wir empfehlen, mögliche qualitative Einschränkungen über einen speziellen Probescan für verglaste Diarahmen zu klären. Sofern ein Umrahmen der zur Verfügung gestellten Dias möglich ist, kann auch ein Scan mit und ohne Glasrahmen für einen direkten Vergleich durchgeführt werden.

Helmut Rasch, 13.01.2021